„An unserem Bergwaldtheater-Konzept besteht offenbar kein ernsthaftes Interesse“ – Interview mit Martin Weichmann

Weißenburg, 15. Dezember. Es war eine hilflose Diskussion im Kulturausschuss: Katrin Schramm von den Grünen hatte vorgeschlagen, die Autoren eines viel diskutierten Bergwaldtheater-Konzepts in den Kulturausschuss einzuladen. Doch die meisten Stadträte wissen nicht so recht, was sie mit der Kulturinitiative anfangen sollen. Und Oberbürgermeister Schröppel sieht keinen Handlungsbedarf. Am Ende der Diskussion rang man sich zu einer lauwarmen Einladung an die Initiatoren Martin Weichmann und Hermann Drummer durch: Sie sollen ihre Vorstellungen in der nächsten Kulturausschusssitzung präsentieren. Doch denen ist angesichts von soviel „Begeisterung“ die Lust vergangen.

Hintergrund:

Katrin Schramm, Stadträtin der Grünen

„Die spezifischen Stärken des Bergwaldtheaters werden nicht besonders betont mit dem derzeitigen Spielplan“. Katrin Schramm, Stadträtin der Grünen

Es ist Stadträtin Katrin Schramm von den Grünen zu verdanken, dass im Kulturausschuss überhaupt noch einmal über die Bergwaldtheater-Initiative gesprochen wurde.

Sie hatte in der letzten Kulturausschusssitzung Anfang Dezember einen Antrag (Antrag hier downloaden) vorgelegt. Der Antrag zielt darauf ab, dass sich der Kulturausschuss noch einmal mit den Ideen der Bergwaldtheater-Initiative beschäftigen soll, die zuletzt im Sommer an einem Runden Tisch zur Sprache gekommen waren (siehe: Runder Tisch zur Zukunft des Bergwaldtheaters in Weißenburg). In ihrem Antrag hatte Kathrin Schramm angeregt, den Initiatoren das Interesse des Kulturausschusses zu signalisieren und sie zu einer Präsentation ihres Konzeptes einladen.

Runder Tisch zur Zukunft des Bergwaldtheaters am 24. Juli

Runder Tisch zur Zukunft des Bergwaldtheaters am 24. Juli 2014

Oberbürgermeister Schröppel: Kein Handlungsbedarf

Oberbürgermeister Schröppel bremste allerdings zu Beginn der Sitzung: Beim Thema Bergwaldtheater sehe er „keinen Handlungsbedarf“. Für ihn sei vielmehr die „Römerthematik“ das Alleinstellungsmerkmal der Stadt. Das Stadtoberhaupt und die Stadträte wollten sich einer Einladung aber auch nicht widersetzen. Und so kam es zu einer lauwarmen Einladung nach dem Motto „kann ja nicht schaden“. Martin Weichmann sagt nun im Interview: „Nach der klaren Ansage des Oberbürgermeisters verstehe ich nicht, warum ein Konzept für ein Projekt vorgestellt werden soll, dem der Oberbürgermeister in selber Sitzung eine deutliche Absage erteilt hat.“

Bergwaldtheater soll wieder eine überregionale Bedeutung bekommen

Die Initiative zur Zukunft des Bergwaldtheaters schart sich um kulturinteressierte Bürger, die im Weißenburger Frankenbund und dem Verein “Wir sind Rot-Weiß e.V.” organisiert sind. Sie hatten vor einem Jahr ein Positionspapier  formuliert (siehe: Positionspapier zur Zukunft des Bergwaldtheaters): Das unter der Federführung der Vereinsvorsitzenden Martin Weichmann und Hermann Drummer formulierte Papier mit dem Titel “Hat Kultur in der Region eine Zukunft” fordert massive Investitionen in Personal und Spielstätte.

Weißenburgs Attraktivität als Wohn- und Arbeitsplatz steigern

Dadurch soll das Bergwaldtheater wieder eine überregionale Bedeutung als Naturbühne bekommen, die es in den 1930er Jahren schon einmal innehatte (siehe Interview: Martin Weichmann zur Zukunft des Bergwaldtheaters). Langfristig, so glauben die Verfasser, wären die Investitionen für die Stadt profitabel – trotz höherer Ausgaben für Personal und Bauwerk: Die “weichen Standortfaktoren” würden Weißenburgs Attraktivität als Wohn- und Arbeitsplatz steigern. Überregional bedeutende Festspiele würden zudem vermehrt Besucher in die Stadt locken, die den Einzelhandel und die Gastronomie stärken würden.

Interview mit Martin Weichmann:

Martin Weichmann, Vorsitzender des Frankenbunde

Martin Weichmann, Vorsitzender des Frankenbundes Weißenburg

Sie sind Mitverfasser eines Positionspapier zur Zukunft des Bergwaldtheathers und und Vorsitzender des Frankenbundes Weißenburg. Worum geht es Ihrer Initiative genau?

Die Initiative vom Frankenbund und von „Franken – Wir sind Rot-Weiß“ ist ein Angebot von engagierten Bürgern an die Stadt. Unser Ziel war, auf das Potential und die ungenutzten Möglichkeiten einer der schönsten Naturbühnen Deutschlands hinzuweisen und Wege für eine mögliche Neuausrichtung aufzuzeigen, die der ursprünglichen Bestimmung des Bergwaldtheaters als Theater- und Opernbühne in unseren Augen besser als bisher gerecht würden.

Nach dem Runden Tisch im Sommer des Jahres ist es still geworden um die Initiative. Nun hat Stadträtin Katrin Schramm von den Grünen im Kulturausschuss einen Antrag vorgelegt, der Ihrer Initiative Gehör verschaffen soll. War das mit Ihnen abgestimmt?

Der Antrag von Frau Schramm entstand aus ihrem Interesse am Thema. Sie war nach der Diskussion in der Karmeliterkirche offensichtlich auch der Meinung, dass hier Entwicklungspotential vorhanden wäre, dass hier Handlungsbedarf bestünde. Herr Dr. Drummer und ich wussten von den Plänen. Insofern wussten wir auch vom Inhalt des Antrags. Letztendlich stammte die Idee eines neuerlichen Vorstoßes also von Frau Schramm.

Was sagen Sie zu dem Sitzungsverlauf im Kulturausschuss?

Ich war zwar nicht dabei, kann aber unter dem Strich mit dem in der Presse so berichteten Verlauf leben. Herr Schröppel als Leiter der Verwaltung hat deutlich gesagt, wie er sich die nächste Zukunft des Bergwaldtheater vorstellt: „Ich sehe keinen Handlungsbedarf“ und er will „kein neues Fass aufmachen.“ Das sind klare Worte des Stadtoberhauptes, die deutlich zum Ausdruck bringen, dass zumindest von seiner Seite an den Inhalten unseres Konzepts momentan kein Interesse besteht. Das ist so zu akzeptieren.

Positionspapier Bergwaldtheater

Positionspapier Bergwaldtheater

Wie beurteilen Sie das Angebot, zur nächsten Ausschusssitzung zu kommen und dort ihr Konzept vorzustellen?

Nach der klaren Ansage des Oberbürgermeisters verstehe ich nicht, warum ein Konzept für ein Projekt vorgestellt werden soll, dem der OB in selber Sitzung eine deutliche Absage erteilt hat. Ich werde natürlich zunächst einmal mit meinen „Mitstreitern“ das weitere Procedere besprechen. Für mich persönlich scheint klar, dass ich meine Mitarbeit an der Initiative spätestens nach den in der Presse zitierten Aussagen des OB abschließen kann. Nicht weil ich jetzt in irgendeiner Weise beleidigt wäre, sondern weil ich den Willen des „Hausherren“ ohne Wenn und Aber respektiere. Sein uneingeschränktes OK wäre entscheidende Voraussetzung für ein weiteres Engagement von meiner Seite gewesen.

Vielleicht haben Politiker berechtigte Angst vor den Kosten, die Ihre Ideen kosten würden. Sie wollen ja beispielsweise einen Intendanten anstellen?

Ich bin der Überzeugung, dass ein solch ambitioniertes Projekt wie die Entwicklung eines individuell auf die Besonderheiten des Bergwaldtheaters zugeschnittenen Programms eine Aufgabe ist, die nur dann zu bewältigen, ist wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Dies ist zuallererst einmal keine Frage des Geldes, sondern die Frage „Wollen wir das?“ und vor allem „Wollen wir das gemeinsam und mit allen Kräften angehen?“
Zum Thema Intendant sei nur soviel gesagt, dass eine eigene Intendanz die Voraussetzung für eine Bezuschussung in größeren Dimensionen wäre. Wunsiedel zum Beispiel kann u. a. nur deswegen auf staatliche Mittel zurückgreifen, da es einen eigenen Intendanten beschäftigt. Für die von uns angedachte „große Lösung“ mit einem individuell auf die Besonderheiten unserer großartigen Bühne zugeschnittenen Programm ginge der Weg an einem Intendanten schon allein aus finanziellen Gründen dauerhaft also nicht vorbei. Sich bereits im Vorfeld hinter eventuell anfallenden Kosten – sei es für einen Intendanten oder den dringend benötigten Ausbau der Infrastruktur der Bühne – zu verschanzen, oder sich zu beschweren, dass wir unser Anliegen im Rahmen einer Podiumsdiskussion und nicht vor dem Kulturausschuss vorstellten, ist in meinen Augen zu billig.

Das klingt resigniert?

Das auf keinen Fall! Großer Erfolg unserer Initiative ist, dass das Bergwaldtheater ein Thema ist, das eben nicht nur „die Oberen“ beschäftigt, sondern auch von weiten Teilen der Bevölkerung mit großem Engagement diskutiert wird. Gerade die älteren Mitbürger, die die Blütezeit des Bergwaldtheaters mit offensichtlich unvergesslichen Theater- und Opernaufführungen erlebt haben – zum Teil als Statisten sogar aktiv mitgestaltet haben – finden unsere Initiative toll. Dies wurde mir in zahlreichen Gesprächen versichert. Der Ball ist im Spiel! Ob und welche Änderungen sich an der Bespielung ergeben, wird die Zukunft zeigen. Wir sind der Überzeugung, dass eine Weiterentwicklung des Bergwaldtheaters sowohl eine Möglichkeit zur Erweiterung des kulturellen Angebots für die Stadt und die Region als auch einen in unseren Augen wichtigen Impuls für die allgemeine Entwicklung der Stadt darstellen würde. Wenn allerdings die Zeit nicht reif ist für durchgreifende Reformen, sollte man das rechtzeitig erkennen und akzeptieren. Gegen einen größeren Widerstand in Reihen der Entscheidungsträger anzuarbeiten kostet Kraft und vor allem Zeit, die mir aus beruflichen Gründen leider nicht zur Verfügung stehen.

 

 

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Peter Diesler

Redakteur und Herausgeber bei Stadtmagazin Weißenburg Aktuell
Der Journalist Peter Diesler lebt seit 2006 in Weißenburg. Seit 1997 betreibt er das Journalistenportal "Journalismus.com". Er arbeitet als Trainer und Berater für Medien und Verlage.
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Autor Biografie

Der Journalist Peter Diesler lebt seit 2006 in Weißenburg. Seit 1997 betreibt er das Journalistenportal "Journalismus.com". Er arbeitet als Trainer und Berater für Medien und Verlage.

3 Kommentare to “„An unserem Bergwaldtheater-Konzept besteht offenbar kein ernsthaftes Interesse“ – Interview mit Martin Weichmann”

  1. 17. Dez. 2014

    Steffen Arndt

    Das Problem des Bergwaldtheaters ist das von vielen Theatern: Sobald anspruchvolle Darbietungen geboten wird sinken die Besucherzahlen auf unter 100 oft noch weniger.In Großstädten fällt das nicht so auf. 100 Besucher in Weißenburg entsprechen im Verhältnis zur Einwohnerzahl in Nürnberg beispielsweise rund 2.500.
    Man könnte hervorragend sich auch mal von anderen, schönen Naturbühnen inspirieren lassen wie z. B. in Trebgast, Dornreichenbach,Friedingen etc.
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass vor lauter Römern die Vergangenheit als mittelalterliche Stadt, später freie Reichsstadt etwas vergessen wird. Meines Erachten hat Weißenburg hier mindestens ebensoviel zu bieten wie mit der röm. Vergangenheit.

  2. 15. Dez. 2014

    Michael Schneider

    Lese ich recht? Alleinstellungsmerkmal? Schließen sich denn kulturelle Events im Bergwaldtheater und Römer gegenseitig aus? Nö. Sie könnten sich sogar ergänzen. Und wenn im Bergwaldtheater mal das Chiemgauer Volkstheater auftritt, leidet das Römer-Image der Stadt Weissenburg nicht daran.

  3. 15. Dez. 2014

    Ivan

    Herr Schröppel und seine “Römerthematik”.
    Die Römer scheinen sein Lieblings-Hobby sein 😉 Soweit ich mich erinnern kann, war diese “Römerthematik” auch ein Grund, warum der Bau der Mittelschule zurückstecken sollte. Diese Priorisierung hat damals schon vielen Bürgern sauer aufgestoßen, anscheinend hat er aber nicht viel daraus gelernt.