Neuer Premium-Spielplatz im Stadtgarten: Wieviel darf ein Spielplatz kosten?

Weißenburg, 9. Dezember. Einstimmig war der Beschluss im letzten Stadtrat, den Spielplatz im Stadtgarten (beim Forstamt) für  knapp 144.000 Euro (plus Spende von 11.000 Euro) zu einem Premium-Spielplatz auszubauen. Darin enthalten sind auch zwei behindertengerechte Spielgeräte, die erst nach einer Anregung des FDP-Stadtrates Alexander Kohler dazu kamen. Doch die Vorstellungen, wie ein Spielplatz für Kinder aussehen kann, und vor allem auch, was er kosten soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wir dokumentieren die beiden Redebeiträge der Stadträtinnen Inge Pfitzinger-Miedel (SPD) und Sonja Strunz (CSU).

  • Kostenaufstellung der Neugestaltung des Spielplatz „Im Stadtgarten

  • Der Entwurfsplan des neuen Spielplatzes „Im Stadtgarten

Im Focus: Ist Pleinfelds Spielplatz billiger?

Für einige Verwirrung sorgte die Vermutung der CSU-Stadträtin Sonja Strunz, man würde den Weißenburger Spielplatz vergleichweise teuer bauen. Dabei bezog sie sich beispielhaft auf den Generationenspielplatz am Pleinfelder Bahnweiher. Dieser hätte bei vergleichbarer Spielplatzgestaltung und -ausstattung lediglich 80.000 Euro gekostet.

Weißenburger Spielplätze zu teuer?

Die Aussage hat Brisanz, denn würde das stimmen, dann hätte man für den ähnlich ausgestatteten Weißenburger Stadtgarten-Spielplatz 60.000 Euro mehr investiert. Oberbürgermeister Schröppel widersprach dem prompt via Presse. Der frühere Pleinfelder Bürgermeisters Josef Miehling, so Schröppel, hätte ihm eine Summe von 150.000 Euro für den Pleinfelder Spielplatz genannt.

Die Wahrheit ist etwas komplizierter:

Artikel des Weißenburger Tagblatt von 2012: "Kosten gut 80.000 Euro"

Artikel des Weißenburger Tagblatts von 2012: „Kosten gut 80.000 Euro“

Die Wahrheit ist etwas kompliziert: Die Pleinfelder haben auch in Dinge investiert, die mit dem Weißenburger Spielplatz nicht vergleichbar sind. So wurde in Pleinfeld zugleich der Bahnweiher saniert und es wurden Seniorengeräte für einen Mehrgenerationenspielplatz angeschafft. Rechnet man diese Investitionen heraus und betrachtet nur die Zahlen für den reinen Spielplatz, kommt man tatsächlich auf einen Betrag von 84.000 Euro, wie uns der Pleinfelder Bürgermeister Dirsch bestätigt. Eine solche Summe nennt übrigens auch das Weißenburger Tagblatt  in seiner Berichterstattung über die Einweihung des Pleinfelder Spielplatzes (30.07.2012).

Personalkosten bleiben spekulativ

Andererseits sind in den Kosten für den Pleinfelder Spielplatz keine Personalkosten enthalten. Laut Zeitung sollen dies insgesamt 1.287 Arbeitsstunden gewesen sein, die die Mitarbeiter des Pleinfelder Bauhofs aufgebracht haben, um den Spielplatz in Eigenregie zu bauen.

Strunz: Sehe mich bestätigt

Sonja Strunz sieht sich hinsichtlich der von ihr angeführten Zahlen in ihrer Stadtratsrede (siehe rechte Spalte) für den reinen Spielplatz bestätigt. Sie räumt allerdings ein, dass die nicht unerheblichen Personalkosten für den Bauhof noch hinzugerechnet werden müssen. Wie hoch diese allerdings sind, lässt sich nicht so einfach ermitteln.

Spielplatzfinanzierung in Zukunft genauer zu hinterfragen

Strunz‘ Vorstoß ziel darauf ab, die Spielplatzfinanzierung in Zukunft genauer zu hinterfragen. Beispielsweise für Spielgeräte Vergleichsangebote einzuholen. Dem kann man eigentlich nicht widersprechen. Ob Kosten wirklich gespart werden können, wenn man für viele anfallende Arbeiten Bauhofmitarbeiter einbindet, hängt auch von der Auslastung des Bauhofs ab. Die Leute im Bauhof haben ja auch noch anderes zu tun, als Spielplätze zu bauen. Und das Argument von SPD-Stadträtin Inge Pfitzinger-Miedl  dass eine Spielplatzgestaltung in die Hände von Fachplanern gehört, die die Bedürfnisse der Kinder kennen, ist ebenso begründet  (siehe rechte Spalte).

Rede von CSU-Stadträtin Sonja Strunz im Stadtrat:

Sonja-Strunz-640

Ich war sehr erfreut, gerade vor Beginn der Sitzung eine überarbeitete und deutlich attraktivere Variante der Planungen „Spielplatz Stadtgarten“ vorzufinden! Trotzdem will ich – auch im Hinblick auf zukünftige Planungen von Spielplatzumgestaltungen, wie dem Stadtgraben, noch einige Anmerkungen machen:

Vorzeigespielplatz für gerade mal 80.000 Euro

Die Gemeinde Pleinfeld hat vor zwei Jahren einen Vorzeigespielplatz mit großem Wasserspielbereich mit Edelstahlgeräten für 20 000 Euro, einem riesigen Kletterturm für 13.000 Euro und einem tollen Kletter- und Spielschiff aus Holz für 12.000 Euro neben einer Edelstahldoppelschaukel und einer Edelstahlwippe gebaut. Ein toller Spielplatz in unserer Nähe für gerade mal 80.000 Euro, den Sie sich unbedingt einmal ansehen sollten! Dass die Zahlen aus einem Artikel des Tagblattes stimmen, dazu konnte ich mich durch ein Telefonat mit dem für die Planung beauftragten Mitarbeiter der Gemeinde Pleinfeld absichern.

 Hersteller von Spielplatzgeräten planen kostenlos

Ich habe mir noch einige Minuten Zeit genommen, mit vier Herstellern von Spielplatzgeräten zu telefonieren. Drei davon brauchen nur einen Plan des Geländes, dann planen sie uns kostenlos (!) und unverbindlich einen Spielplatz darauf! Wir können vorher Wünsche äußern, wie: für welches Alter der Platz gedacht ist, mit oder ohne Wasserspiel, etc. Wenn wir den Kostenvoranschlag  des Anbieters mit dem Plan haben, können wir selbst entscheiden, welche der Geräte gekauft werden, ob überhaupt, oder etwa doch andere. Dies bitte ich dringend bei der Planung und dem Haushaltsansatz des nächsten Spielplatzes im Stadtgraben im Hinterkopf zu haben! Zusammengefasst wünsche ich mir für künftige Planungen:

Planung erst Stadträten vorstellen

Der nächsten Spielplatz wird erst dem zur Entscheidung berufenen Gremium Stadtrat vorgestellt und dann der Öffentlichkeit, um die Möglichkeit von Änderungswünschen zu geben. Bei der in der letzten Woche eingeschlagenen Reihenfolge weckt man Erwartungen bei den Kindern, die dann rausgestrichen werden, und so kommt es zu großem Unmut!

Kostenvoranschläge einholen

Der dritte Spielplatz ist von unserem Bauamtspersonal, das hierfür nach meiner Überzeugung sicher gut qualifiziert ist, geplant. Dabei sollten kostenlose Planungsvorschläge und Kostenvoranschläge von Spielgeräteherstellern eine Hilfe sein.

Arbeitsgruppe Spielplatz bilden

Gerne bin ich dazu bereit – wie in der Gemeinde Pleinfeld – eine Arbeitsgruppe dazu anzustoßen und könnte mir vorstellen, dass sich in unserem Gremium einige Kollegen mit Kindern im Spielplatzalter (oder gerade daraus entwachsen) finden, die hier mitmachen. (Ich denke z.B. an die Kollegen Kohler, Bengel und Hetzner)

Rede von SPD-Stadträtin Inge Pfitzinger-Miedl im Stadtrat:

Inge Pfitzinger-MiedelIch habe mich seit mehreren Jahren intensiv mit der Spielplatzthematik befasst und mehrere Aktionen zusammen mit Herrn Bengel durchgeführt: So eine Eltern- und Kinderbefragung auf Weißenburger Spielplätzen, eine Analyse der Weißenburger Spielplätze und schließlich den Antrag der SPD-Fraktion auf Ausbau und Verbesserung der Weißenburger Spielplätze, inclusive Spielplatzkonzept.

Premiumspielplatz in der Lindenstraße

Der Premiumspielplatz in der Lindenstraße war das erste erfolgreiche Ergebnis, dass Kinder und Eltern interessante Spielplätze wünschen und diese auch annehmen.

Wassermatschplatz ist absoluter Renner

Wir haben dort das rege Treiben mehrfach beobachtet und sind zu der Überzeugung gekommen: Bolzplatz und Wassermatschplatz sind der absolute Renner und das teure große Spielgerät nur anfangs ein Hingucker und im Weiteren aber dann langweilig.

Zuwenig Geld in Spielmöglichkeiten

Mit dem Entwurf für den Stadtgarten war ich zwar grundsätzlich einverstanden, jedoch missfiel mir, dass das Verhältnis von Geldausgaben für landschaftsgestalterische Dinge nicht im Verhältnis zu den Spielgeräten und Spielmöglichkeiten der Kinder stand.

Für Kinder schnell langweilig

Hier wurden Dinge eingeplant, die zwar für Erwachsene schön aussehen, aber für Kinder schnell langweilig werden. Beispielsweise „Wurzelbäume“ oder Wasser nur als Element zum Zuschauen ist für Kinder im Hochsommer zwar spaßig (wegen der sprudelnden Düsen…), aber zu langweilig auf Dauer. Ein Wassermatsch- und Staubereich ist wesentlich interessanter und bietet für viele Altersgruppen Spielmöglichkeiten.

Barfußpfad des Forstamts integrieren

Des Weiteren gibt es bereits in unmittelbarer Nähe, im Forstamt, einen Barfußpfad, der genutzt werden kann und nicht noch einmal gebaut werden muss. Weidentunnel und Weidentipi können ebenfalls vom Forstamt gebaut werden. Hier passt dann auch das Thema „Natur“.

Inklusion

Der Antrag von Herrn Kohler, hier auch Spielgeräte für die Inklusion behinderter und nichtbehinderter Kinder kam allen entgegen. Jetzt werden zwei dieser Geräte eingeplant, sehr gut.

Pädagogische Aspekte

Für mich ist ein Spielplatz dann gut, wenn natürlich Spielgeräte da sind, aber diese sollten dann für Kinder so attraktiv sein, dass sie immer wieder kommen wollen, um noch etwas Neues ausprobieren zu können oder etwas zu „schaffen“, und nicht nur, weil sie schön ausschauen.

Seniorenspielgeräte

Auch die Seniorenspielgeräte – und hier stimme ich Frau Strunz zu – müssen von Jung und Alt benutzbar sein, damit auch hier der Spielplatz integrativ und attraktiv wird.

Keine Aufgabe für Stadtbauamt

Dennoch bin ich nicht der Meinung, dass den nächsten Spielplatz unser Stadtbauamt gestalten sollte, sondern hier ist ein Fachplaner oder -planerin gefragt, der/die genau die Bedürfnisse der Kinder kennt und zudem auch mit weniger teuren Spielgeräten, aber dafür den richtigen, einen attraktiven Spielplatz gestalten kann.

 

Titelbild: Stadt Weißenburg

Folge mir

Peter Diesler

Redakteur und Herausgeber bei Stadtmagazin Weißenburg Aktuell
Der Journalist Peter Diesler lebt seit 2006 in Weißenburg. Seit 1997 betreibt er das Journalistenportal "Journalismus.com". Er arbeitet als Trainer und Berater für Medien und Verlage.
Folge mir

Tags:

Autor Biografie

Der Journalist Peter Diesler lebt seit 2006 in Weißenburg. Seit 1997 betreibt er das Journalistenportal "Journalismus.com". Er arbeitet als Trainer und Berater für Medien und Verlage.

Kommentare wurden geschlossen.